Suche

ATOS
Klinik Heidelberg

Bismarckstr. 9-15
D-69115 Heidelberg

Telefon 06221/983-0
Kontakt / Anfahrt

 

Bizepssehnenriss / Bizepssehnenruptur - Teil 3 - 'distale Bizepssehnenruptur'

 Autor:  Dr. Andreas Klonz, ATOS-Praxisklinik                              Teil 2                                  ZURÜCK zur Übersicht

Distaler (ellenbogennaher) Bizepssehnenriss

Der ellenbogennahe "distale" Bizepssehnenriss wird fast immer durch eine plötzlich auf den angespannten Muskel einwirkende Kraft verursacht. Nahezu ausschließlich sind körperlich aktive und relativ muskelkräftige Männer mittleren Lebensalters betroffen. Eine degenerative Komponente spielt eine prädisponierende Rolle.

Schon die Beschreibung des Unfallhergangs gibt wegweisende Informationen, die genaue Dokumentation ist für spätere versicherungsrechtliche Fragen von großer Bedeutung. Ähnlich der Achillessehnenruptur geben die Patienten häufig ein Knallerlebnis an. Schmerzen in der Ellenbeuge sind vorhanden, aber nicht ausgeprägt. Nach kurzer Zeit zeigt sich meist ein deutliches Hämatom. Die Deformität mit dem nach oben gezogenen Muskelbauch ist anfangs manchmal noch nicht sehr ausgeprägt, aber im Seitenvergleich bei angespanntem Muskel doch zu erkennen.

Bei der Überprüfung der groben Kraft zeigt sich im Seitenvergleich eine schwächere Flexion und vor allem Supination. Ein Röntgenbild des Ellenbogengelenkes im seitlichen Strahlengang zum Ausschluß eines knöchernen Ausrisses sollte angefertigt werden. Der sichere sonographische Nachweis der Ruptur ist schwierig. In Zweifelsfällen kann eine MRT weiterhelfen, gerade dann, wenn bei erhaltener Bizepsaponeurose nur eine geringe Retraktion des Muskelbauches und ein geringerer Kraftverlust resultiert.

Therapie

Die Minderung der Beugekraft im Ellenbogen beträgt ohne Operation durchschnittlich 30 - 40 %. Die Kraft für die Aussendrehung im Unterarm bleibt um mindestens 50 % vermindert. Insbesondere wird auch die Ausdauerkraft beeinträchtigt. Der überwiegende Teil der Patienten ist mit dem funktionellen Ergebnis ohne Operation nicht zufrieden.

Deshalb gilt die Operation als Therapie der Wahl. Verschiedene Verfahren finden Anwendung.

Im Klinikum Braunschweig haben wir eine minimal-invasive Technik zur Refixation der Bizepssehne an der Speiche entwickelt. Inzwischen haben wir diese Technik etwa 50 mal angewendet, was bei der relativ seltenen Verletzung eine beachtliche Zahl darstellt. 30 Patienten wurden bisher im Rahmen einer Studie inklusive einer isokinetischen Kraftmessung nachuntersucht. Bisher haben wir ausschließlich sehr gute und gute Ergebnisse erreicht und keine Komplikationen erlebt, so dass man dieses Verfahren im Vergleich zu anderen Techniken uneingeschränkt empfehlen muss. Die Kraft im Ellenbogengelenk kann so nahezu vollkommen wiederhergestellt werden.

Über einen etwa 3-4 cm langen Schnitt in der Ellenbeuge wird die Sehne entlang ihres ehemaligen Kanals wieder zu ihrem Ansatzort geführt und dort mit zwei Knochenankern befestigt. Die Kenntnis des Verlaufes der großen Nerven und Blutgefäße im Ellenbogen ist dazu unabdingbar, des weiteren sollte ein regelmäßig durch das OP-Gebiet verlaufender Hautnerv geschont werden.

Sehnenstumpf der Bizepssehne am Ellenbogen

Seitengleiches Muskelrelief nach Refixation der Bizepssehne

Kleine, unauffällige Narbe

Nach der OP wird der Arm 3 Wochen in einer Schiene ruhiggestellt. Die freie Beweglichkeit des Ellenbogens wird danach recht rasch wieder erreicht. Ein kraftvoller Einsatz des Armes sollte aber erst nach 3 Monaten wieder erfolgen.