Kreuzbandersatz
Das Kniegelenk ist einer erheblichen mechanischen Belastung ausgesetzt. Es wird durch starke Bänder stabilisiert. Das Innen- und Aussenband bilden die seitlichen Stabilisatoren. Das vordere und das hintere Kreuzband liegen direkt in der Mitte des Gelenkes und stabilisieren nach vorne und hinten, so wie gegen die Rotation. Als Puffer liegt der sogenannte Meniskus zwischen dem Oberschenkel und dem Unterschenkel. Man unterscheidet einen Innen- und einen Außenmeniskus. Es handelt sich dabei um 2 halbmondförmige Scheiben, die aus Faserknorpel bestehen (s.a. hier).

Meniskus Abb 1a
Legende: Ansicht eines linken Kniegelenkes von Vorne. Zwischen Ober- und Unterschenkel sieht man den Innen- und Außenmeniskus als Pufferscheibe. (siehe roter Pfeil)

Meniskus Abb 1b
Legende: Aufsicht auf den Innen- und Außenmensikus
Die Kreuzbänder verbinden den Oberschenkel und den Unterschenkel miteinander. Sie liegen zentral im Gelenk und ‚überkreuzen’ sich gegenseitig. Sie verhindern, dass sich Ober- und Unterschenkel zu stark gegeneinander verschieben oder sogar den Kontakt miteinander verlieren. Ein übermäßige Verschiebung zwischen den beiden Knochen hat eine Schädigung des Meniskus und des Knorpels als Folge und führt zum vorzeitigen Verschleiß (s.a. ‚Arthrose’). Arthrosebehandlung ohne künstliches Gelenk
Wenn das Knie instabil ist, besteht deshalb die Indikation zum Ersatz des Kreuzbandes. In den meisten Fällen ist das vordere Kreuzband betroffen, seltener das hintere Kreuzband. Ein Kreuzbandriß kann in manchen Fällen auch so stabil ausheilen, dass keine Operation erforderlich wird! Wir warten deshalb gerne zunächst 6-8 Wochen ab. In dieser Zeit kann das Knie zudem abschwellen und wird besser beweglich. Die Komplikationsrate der OP sinkt dadurch. Zudem tut sich der Patient nach der OP eines gut beweglichen Gelenkes wesentlich leichter. Die Rehabilitation geht dann besser voran und man holt die ‚Wartezeit’ wieder auf.
Als Ersatz wird körpereigenes Material verwendet. Kunstmaterialien haben sich bis heute nicht bewährt. Die Verwendung von ‚Leichensehnen’ ist wegen eines Restrisikos hinsichtlich Infektion kritisch und in Deutschland deshalb nur in Ausnahmefällen angezeigt.
Am wichtigsten ist, dass das Transplantat im richtigen Verlauf in das Knie eingebaut wird und stabil fixiert wird.
Als Transplantat kommen die Beugesehnen (Semitendinosus und Graciles, auch ‚Hamstrings’ genannt), ein Teil der Patellasehne oder ein Teil der Quadrizepssehne in Frage. Jedes Transplantat hat seine Vor- und Nachteile.
Wir verwenden in der Regel die Hamstrings, da wir hiermit seit Jahren gute Erfahrungen gemacht haben. Es gibt insbesondere im Vergleich zu den anderen Transplantaten nur wenig Probleme an der Entnahmestelle und weniger Probleme mit der Streckung des Kniegelenkes nach der OP.
Das Transplantat muss durch Implantate im Knochen fixiert werden und dort festwachsen. Zur Fixierung werden unterschiedliche Methoden benutzt: Die meisten Patienten betreiben später wieder Sport und man muss immer an die Situation einer erneuten Verletzung denken. Wichtig ist deshalb, dass man sich die Möglichkeit erhält, das Kreuzband ohne viel Aufwand noch einmal zu ersetzen. Wenn die verwendeten Implantate Löcher hinterlassen, muss man diese häufig zunächst mit Knochen auffüllen, bevor man ein erneutes Kreuzband einbauen kann.
Zudem weiß man, dass es gut ist, wenn das Transplantat sehr nahe am Gelenk fixiert wird und nicht am oberen und/oder unteren Ende.
Wir verwenden aus diesem Grund sogenannte Crosspins (‚Rigid Fix’, Fa. Mitek), die diese Anforderungen optimal erfüllen. Diese resorbierbaren Pins werden oberhalb und unterhalb des Kniegelenkes quer durch das Transplantat eingebracht, so dass dieses nicht mehr rutschen kann.
Der Kreuzbandersatz wird bei uns vollständig arthroskopisch durchgeführt. In den meisten Fällen verwenden wir wir gesagt die ‘Hamstrings’ (Sehnen des Musculus Semitendinosus und Musculus Graciles) als Ersatzmaterial.

Kreuzband Abb 1

Kreuzband Abb 2
Die Sehnen befinden sich an der Rückseite des Oberschenkels und werden über einen kleinen Hautschnitt (ca. 3 cm) unterhalb des Kniegelenkes entnommen.

Kreuzband Abb 3

Kreuzband Abb 4
Es werden Knochenkanäle gebohrt, in die das Transplantat eingezogen wird. Es muss im Knochen festwachsen. Dann werden Zielhülsen quer zum Transplantatverlauf einbebohrt, durch die später die Fixierungspins eingeschlagen werden.

Kreuzband Abb 5

Kreuzband Abb 6
Das Transplantat wird in den Knochen eingezogen und mit den queren Pins fixiert.